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19.05.2012

Reophorese-Information

Trockene Makuladegeneration
Trockene Makuladegeneration

zur Therapie der trockenen altersabhängigen
Makuladegeneration (AMD) mit Rheopherese

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient,

die altersabhängige Makuladegeneration ist eine Erkrankung Ihrer Augen, bei der das Zentrum des schärfsten Sehens, die Makula oder auch gelber Fleck, geschädigt wird. Die gesunde Makula ermöglicht sowohl das scharfe Sehen wie auch das Farbensehen. Bis heute gibt es keine Therapie, die die Erkrankung heilen kann. Wichtigstes Ziel bei der Behandlung der AMD ist die Stabilisierung der zentralen Sehkraft, d.h. das Aufhalten des natürlichen Verlaufs der AMD. Für die trockene Form der AMD an der Sie leiden, gibt es zur Zeit keine Standardbehandlung. Die Rheopherese ist die derzeit einzige Therapiemöglichkeit zur Behandlung der Frühformen der trockenen AMD.

 

Wie funktioniert die Reophrese?

Die trockene AMD führt zu einer ungenügenden Versorgung der Makula mit Sauerstoff und Nährstoffen die Mikrozirkulation in der Netzhaut ist gestört. Um die volle Funktionsfähigkeit der Makula und somit die zentrale Sehkraft zu erhalten, ist eine ausreichende Durchblutung der feinen Blutgefäße unter der Makula notwendig. Bei den Frühformen der trockenen AMD kommt es mit zunehmender Krankheitsdauer zu einer deutlichen Verschlechterung der Makula-Durchblutung: Unmittelbar unter der Makula kommt es zu Ablagerungen von Stoffwechsel-Abfallprodukten (so genannte Drusen), die Funktion der Makula wird eingeschränkt und Ihr zentrales Sehvermögen wird zunehmend schlechter. Im Spätstadium der trockenen AMD gehen die Sinneszellen in der Netzhaut zugrunde (so genannte geographische Atrophien bilden sich) und das zentrale Sehen verschlechtert sich erheblich.

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes Patienten mit trockener AMD helfen kann. Die entsprechende Therapie wird als Rheopherese bezeichnet. Ziel der Rheopherese ist es, die zentrale Sehkraft zu stabilisieren bzw. zu verbessern. Wie bei allen Therapien kann jedoch keine Garantie für den Behandlungserfolg der Rheopherese gegeben werden.

Die Rheopherese stellt eine Behandlung des Blutes außerhalb des Körpers dar. Die Blutbehandlung entspricht einem Filtrationsverfahren, durch das bestimmte Blutbestandteile, z.B. einige Fette und Eiweiße, entfernt werden, die sich nachteilig auf die Blutfließeigenschaften auswirken. Danach erhält der Patient sein eigenes, gereinigtes Blut zurück. Fremde Blutbestandteile werden nicht verwendet. Damit das Blut außerhalb des Körpers nicht gerinnt wird es während der Behandlung mit einem Hemmstoff versetzt. Es gibt eine Reihe von ähnlichen Verfahren einer Blutbehandlung außerhalb des Körpers, die im Zusammenhang mit Nieren- und Stoffwechselerkrankungen seit Jahrzehnten und bei Tausenden von Patienten routinemäßig auf der ganzen Welt eingesetzt werden.

Allgemein wird diese Behandlung des Blutes außerhalb des Körpers als Apherese bezeichnet, in Ihrem speziellen Fall spricht man von der Rheopherese. Die Rheopherese ist für die Behandlung der trockenen AMD gemäß Medizinproduktegesetz bereits zugelassen.

Welche Vorbereitungen sind nötig?

Vor Behandlungsbeginn wird eine körperliche Eingangsuntersuchung durchgeführt. Eventuell wird Ihnen die Ärztin/der Arzt ein Venentraining vorschlagen. Sie werden zu Ihrer Krankheitsgeschichte befragt. Es wird eine Blutprobe für Laboruntersuchungen entnommen. Wenn Sie blutdruck- senkende Medikamente einnehmen, sollten Sie diese am jeweiligen Tag der Rheopherese-Behandlung nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt einnehmen.

 

Wie läuft die Rheopherese-Behandlung ab?

In den nächsten 10 Wochen werden Sie insgesamt 8 mal behandelt. Nach der 8. Behandlung findet eine Abschlussuntersuchung beim Augenarzt statt. Eine alle 3-6 Monate stattfindende Nachbeobachtung wird Ihnen angeboten, um den anhaltenden Therapieerfolg zu kontrollieren und eventuell notwendige Zusatzbehandlungen zu besprechen. 

Die Rheopherese-Behandlungen werden in einem spezialisierten Dialyse- bzw. Apheresezentrum ambulant durchgeführt. Jeweils vor und nach der Einzelbehandlung wird Ihnen eine Blutprobe entnommen. Eine Therapie dauert ca. 2-3 Stunden. Während dieser Zeit sitzen Sie in einer bequemen Behandlungsliege (s. Abb.). Es werden an den Armen zwei Venen punktiert, um einen Zugang zu Ihrem Blutkreislauf zu schaffen. Ihr Blut wird aus einer Vene in einem Schlauchsystem durch zwei Filter geleitet (s. Abb.) Dabei ist in dem geschlossenen Kreislauf immer nur eine begrenzte Menge Blut außerhalb des Körpers. Schlauchsystem und Filter sind sterile Einmalprodukte. Das gereinigte Blut wird über die zweite Vene in Ihren Körper zurückgegeben.

Die Rheopherese wird in der Regel problemlos vertragen. Keine medizinische Behandlung ist jedoch grundsätzlich frei von Nebenwirkungen. Die folgenden seltenen, aber möglichen unerwünschten Effekte möchten wir Ihnen erläutern:

Zur Rheopherese ist es notwendig, dass ein Teil Ihres Blutes zeitweilig außerhalb des Körpers zirkuliert. Hierdurch wird der Kreislauf kurzfristig belastet, was zu einem Abfall des Blutdrucks und damit einhergehend zu Schwindel führen kann. In seltenen Fällen ist ein Abfall des Blutdrucks bis hin zum Kreislaufkollaps möglich. Während der Rheopherese befindet sich weniger Blut außerhalb des Körpers als Ihnen bei einer normalen Blutspende abgenommen wird. Und im Gegensatz zur Blutspende bekommt Ihr Körper jedoch das Blut zurück. Tritt ein Blutdruckabfall auf, kann er in der Regel sofort und wirksam behandelt werden.

 

Beim Kontakt des Blutes mit künstlichen Oberflächen kann es wie bei allen Blutreinigungsverfahren, z.B. auch der Dialyse, zu Unverträglichkeits- reaktionen kommen. Es können vorübergehend Beschwerden wie zum Beispiel Juckreiz, Kältegefühl, Kopfschmerzen oder Übelkeit auftreten. 

Ein Patient sollte nach einer Rheopherese nicht sofort und plötzlich aufstehen und auch in den nachfolgenden Stunden möglichst Ruhe einhalten. Sollten Sie sich mehrere Stunden nach der Behandlung schwach und unwohl fühlen, informieren Sie auf jeden Fall Ihren Arzt.

Um das Blut aus Ihrem Körper heraus zur Rheopherese und wieder in Ihren Körper hineinzuführen, wird an beiden Armen eine Vene mit einer Kanäle punktiert. An der Punktionsstelle kann sich ein Bluterguss entwickeln.

Die Veränderungen der Netzhaut durch die altersabhängige Makuladegeneration erhöhen bei jedem Patienten das Risiko einer Blutung innerhalb des Auges. Durch die Rheopherese kann dieses Risiko etwas erhöht sein.

Durch den Kontakt des Blutes mit künstlichen Oberflächen außerhalb des Körpers können im geringen Umfang rote Blutkörperchen zerfallen. Dieses ist ein extrem seltenes Ereignis, das durch ein entsprechendes Überwachungssystem kontrolliert und verhindert wird. Die technischen Systeme der Apherese sind heute so ausgereift, dass derartige Ereignisse praktisch nicht mehr vorkommen.

Während der Rheopherese ist in der Regel die Gabe von Heparin erforderlich, einem Medikament, dass die Blutgerinnung im Schlauchsystem des Gerätes verhindert. Dies und eine Absenkung des Gerinnungsstoffs Fibrinogen im Blut durch die Behandlung führt zu einer verstärkten Blutungsneigung am Tag der Behandlung. Sie sollten am Tag der Behandlung deshalb keinen Sport treiben oder ähnliche körperliche Anstrengungen unternehmen. Die Blutgerinnung hat sich in der Regel bis zum nächsten Tag normalisiert. In sehr seltenen Fällen kann es durch die Heparingabe zu einem Abfall der Blutplättchen kommen (Thrombozytopenie).

Was kostet die Rheopherese?

Eine Rheopherese kostet ca. Euro 1.500,-. Die Behandlung erfolgt auf Honorarrechnung durch den behandelnden Arzt des Apherese-Zentrums. Von den Krankenkassen werden die Kosten nicht geregelt erstattet. In Zusammenarbeit mit Ihrem Augenarzt kann ein Antrag auf Kostenübernahme im Einzelfall gestellt werden.